Reparaturnetzwerk Wien
Ein Projekt von "die umweltberatung" Wien

AK-Studie über Nutzungsdauer und Obsoleszenz

Die Arbeiterkammer Wien hat rund 1000 Menschen befragt, wie lange sie Gebrauchsgegenstände nutzen. Das Ergebnis: nur kurz, aber sie würden die Produkte gerne länger nutzen.

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© g.pirkner "die umweltberatung"

Die Studie untersuchte die Gründe dafür, dass Gebrauchsgegenstände ersetzt werden und wie lange ihre Nutzungsdauer ist. Es wurde nach 21 Produkten gefragt - von Kleidung über digitale Medien, Haushaltsklein- und Großgeräte bis zu Einrichtungsgegenständen, der Fokus lag auf Handys.

Handys nach 2,7 Jahren ausgetauscht

Küchenherde werden immerhin 10,8 genutzt, Kleiderschränke 10,5 Jahre. Die kürzeste Nutzungsdauer geben die Befragten bei Sandalen an: durchschnittlich nur 2,2 Jahre. T-Shirts werden nach 2,5 Jahren ausgemustert und Handys sind nur 2,7 Jahre im Einsatz. Dabei würden sich die KonsumentInnen eine Lebensdauer wünschen, die deutlich über diesen Zeiträumen liegen.

Geringe Erwartungen an die Lebensdauer

Die KonsumentInnen erwarten sich von vielen Produkten nur eine geringe Lebensdauer. Die Gründe dafür sind schlechte Erfahrungen und die Überzeugung, dass „geplante Obsoleszenz“  die Produkte rasch kaputt werden lässt. In der Folge tendieren die KonsumentInnen dazu, zu billigeren Produkten zu greifen, Secondhand-Produkte zu meiden und Neues zu kaufen statt Gebrauchtes reparieren zu lassen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die geringen Erwartungen der KonsumentInnen hinsichtlich der Produktlebensdauer, die Werbung und schnelle Produkteinführungszyklen eine kurze Nutzungsdauer bewirken.

Die Spirale der Kurzlebigkeit

Die verkürzte Nutzungsdauer seitens der KonsumentInnen bestätigt laut AK Wien die ProduzentInnen darin, kurzlebige Güter zu produzieren. Die kurze Nutzungsdauer wird damit als Ergebnis einer Spirale verstanden, in der die Erwartungen der KonsumentInnen und ProduzentInnen kontinuierlich nach unten geschraubt werden.

Vorgeschlagene Gegenmaßnahmen

Die Studie zeigt Maßnahmen, um dieser Spirale zu entkommen: Zum Beispiel eine Steuerreform mit Entlastung des Faktors Arbeit bei gleichzeitiger Erhöhung der Steuern auf Ressourcen. Das würde die Dienstleistung Reparatur entlasten und für KonsumentInnen attraktiver machen. Eine solche Reform würde Anreize für eine Wirtschaft schaffen, die weniger Ressourcen verbraucht und eine längere Nutzungsdauer der Gebrauchsgüter forciert. Eine weitere vorgeschlagene Maßnahme ist die Schaffung von Mindeststandards hinsichtlich Lebensdauer, Standardisierung und Reparierbarkeit von Produkten.

Link: Studie „Die Nutzungsdauer und Obsoleszenz von Gebrauchsgütern im Zeitalter der Beschleunigung“

Reparaturen

In Kooperation mit:
Umweltmusterstadt Wien
84er
MA22