Reparaturnetzwerk Wien
Ein Projekt von "die umweltberatung" Wien

Obsoleszenz – Ende nach Plan?

Was kann man tun, damit Geräte wieder länger halten?

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Eine neue Studie des Deutschen Umweltbundesamtes zeigt, dass die durchschnittliche Nutzungsdauer bei vielen Elektrogeräten in den letzten Jahren teils deutlich abgenommen hat und dass sich daraus negative Umweltauswirkungen ergeben. Die Ursachen dafür sind vielfältig, wie die Studie hervorhebt. Viele Geräte gehen früher kaputt und sind oft auch schwer reparierbar, sei es wegen Konstruktionsmängeln oder wegen fehlender Ersatzteile. Andere Geräte sind noch voll funktionsfähig, werden aber trotzdem entsorgt, weil die Nutzer lieber ein neues Gerät wollen.

Obsoleszenz – geplant, ungeplant, fahrlässig oder toleriert?

Eine heftige Diskussion zur Studie ergab sich bei der Frage, ob es geplante Obsoleszenz nachweislich gibt. Dem liegen vor allem unterschiedliche Auffassungen zum Begriff geplante Obsoleszenz zugrunde. Unter Obsoleszenz versteht man, wenn ein Produkt so abgenutzt wird, dass es unbrauchbar wird. Im Fall der geplanten Obsoleszenz geht es um Abnützungen, die vom Hersteller geplant sind. Versteht man darunter nur mutwillig eingebaute Schwachstellen, die Geräte vorzeitig kaputt gehen lassen, so ist der Nachweis oft schwierig und eher eine rechtliche Frage. Versteht man darunter jede Form einer bewusst geplanten kurzen Produktlebensdauer, so ist die Existenz von geplanter Obsoleszenz klar. Denn bei der Planung eines Produkts wird eine bestimmte geplante Nutzungsdauer angenommen und das Produktdesign und die Materialzusammensetzung entsprechend gewählt.

Geplante Qualität ist gefragt

Für NutzerInnen ist es in jedem Fall ärgerlich, wenn ein Gerät vorzeitig kaputt geht, unabhängig davon ob das an einer bewusst eingebauten Schwachstelle liegt, oder daran, dass das Gerät generell als kurzlebiges Gerät konzipiert wurde. Ärgerlich wird es vor allem dann, wenn die HerstellerInnen eine kürzere Nutzungsdauer planen, als sich die NutzerInnen erwarten. Eine verpflichtende Bekanntgabe der Nutzungsdauer, auf die ein Gerät ausgelegt ist, wäre eine wichtige Information für die Kaufentscheidung. Bei einigen Geräten und Bauteilen machen auch sicherlich Mindestanforderungen an die Qualität, Haltbarkeit und Reparierbarkeit Sinn, vor allem bei Produkten, deren Herstellung mit einem hohen Ressourcenaufwand verbunden ist.

Sowohl in der Studie des Umweltbundesamts als auch in den kritischen Stellungnahmen dazu gibt es zahlreiche weitere Vorschläge für Maßnahmen gegen Obsoleszenz. Auch wenn es noch sehr unterschiedliche Meinungen darüber gibt, welche Maßnahmen gegen Obsoleszenz am sinnvollsten sind, so ist die rege Diskussion darüber jedenfalls schon etwas auf dem man aufbauen kann. Wichtig ist allerdings, dass es nun rasch zu einer Maßnahmenumsetzung kommt.

Die Studie können Sie kostenlos auf der Website des Deutschen Umweltbundesamts downloaden.

Eine kritische Stellungnahme und weiterführende Links dazu finden Sie auf der Website der Kampagne "Murks? Nein danke!"

Länger nutzen!

Um dem vorzeitigen Geräteverschleiss entgegenzuwirken sind entsprechende Angebote von Herstellern und Handel, sowie entsprechende politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen erforderlich. Auch wir als NutzerInnen der Geräte sind dabei gefordert. Mit unseren täglichen Entscheidungen beim Kauf von Produkten und beim Umgang mit diesen haben wir wesentlichen Einfluss auf die damit verbundenen Umweltauswirkungen. Wir können bewusst umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen unterstützen und uns den Kauf unnötiger Produkte gleich im wahrsten Sinne des Wortes „ersparen“. Bevor man ein Gerät vorzeitig durch ein neues ersetzt, macht es Sinn sich genau zu überlegen, ob das neue Gerät wirklich einen deutlichen Mehrnutzen hat. Schließlich werden am Werbemarkt weltweit jährlich fast 600 Milliarden Dollar darin investiert, Kaufbedürfnisse in uns zu wecken, die wir davor nicht hatten.

Einige Tipps, wie Sie Geräte möglichst lange nutzen können:

  • Reparieren statt wegwerfen
    Kaufen Sie nicht gleich ein neues Produkt, lassen Sie kaputte Geräte wenn möglich reparieren – vom VERbrauchen zum GEbrauchen! Gerne helfen wir Ihnen, den passenden Reparaturprofi zu finden.
  • Second Life
    Geben Sie Gegenständen die Chance auf ein zweites Leben. Mit dem Kauf von Secondhand-Produkten leisten Sie einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung. Im Reparaturnetzwerk bekommen Sie Gebrauchtwaren in bester Qualität.
  • Langlebige Produkte kaufen
    Achten Sie beim Kauf darauf, dass Sie ein langlebiges Produkt kaufen. Langlebigkeit und Reparierbarkeit gehen meist Hand in Hand - Geräte können nur langlebig sein, wenn sie sich auch gut reparieren lassen. Hilfestellung beim Kauf gibt beispielsweise das Infoblatt Langlebige Waschmaschinen, in das viel Know-how unserer Reparaturbetriebe eingeflossen ist.
  • Wartung nicht vergessen
    Mit einfachen Maßnahmen können Sie die Lebensdauer von Produkten verlängern. Oftmals handelt es sich dabei nur um Kleinigkeiten, die zu beachten sind. Auf der Website des Reparaturnetzwerks finden Sie Wartungstipps von unseren Reparaturprofis.
  • Werbungs-Diät
    Darfs ein neues Handy oder ein neuer Flatscreen sein? Werbung weckt Bedürfnisse, die Sie vorher vielleicht gar nicht hatten. Kaufen Sie nur Dinge, die Sie wirklich brauchen. Eine Hilfe dabei sind die Aufkleber Werbung einfach abbestellen von "die umweltberatung".

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