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Apple gewinnt Gerichtsstreit gegen Ein-Mann-Reparaturwerkstatt

In Norwegen erlitt das Recht auf Reparatur durch ein Gerichtsurteil einen herben Rückschlag. Die Folge davon: Die Reparatur von Apple-Geräten wird für unabhängige Reparateur*innen erschwert und für die Kund*innen teurer. Unterzeichnen Sie die Petition für das Recht auf Reparatur!

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Cartoon mit iPhone
Cartoon mit iPhone Right to repair Europe

Henrik Huseby, ein norwegischer Kleinunternehmer und Reparaturbetrieb, verlor Anfang Juni 2020 seinen Rechtsstreit gegen das Unternehmen Apple vor dem Obersten Gerichtshof Norwegens. Mit dieser Entscheidung erschwert Apple weiterhin den Zugang zu Ersatzteilen für unabhängige Reparaturbetriebe. Die norwegischen Richter trafen die endgültige Entscheidung, indem sie Markenverletzungen auf technischen Details feststellten, die für die Verbraucher völlig unsichtbar sind - also Alpple-Logos auf Kabeln und Chips.

Geistiges Eigentum als Waffe

Apple behauptete, Huseby habe angeblich "gefälschte" iPhone-Bildschirme importiert. Huseby bestritt dies mit der Begründung, er habe lediglich refurbished iPhone-Bildschirme verwendet, die er der Öffentlichkeit nie als „Originalteile“ von Apple beworben habe. Unter „refurbished“ versteht man gebrauchte Ersatzteile, die ein Hersteller oder Händler generalüberholt, gereinigt und geprüft hat. So stammen zum Beispiel in China hergestellte refurbished Bildschirme von Unternehmen, die bei zerbrochenen Displays das kaputte Glas vom hochwertigen Original-Apple-LCD entfernen und dieses mit einem neuen Glas versehen.

Wie Huseby es ausdrückt, verwendet Apple das Recht des geistigen Eigentums als „Waffe“, indem es mehrere Logos und QR-Codes auf jedem Teil seiner Bildschirme anbringt. Dies bedeutet einen rechtlichen Graubereich für Reparaturbetriebe, die erschwingliche, überholte Teile aus China importieren möchten. Gleichzeitig weigert sich Apple, Originalersatzteile an unabhängige Reparaturbetriebe in Europa zu verkaufen. Sie haben also die Wahl: entweder minderwertige, nicht Original-Teile oder Refurbished-Teile, wie sie Huseby gekauft hat.

Das Resultat: teure Reparaturen

Diese aggressive Markenpolitik von Apple führt dazu, dass unabhängige Reparateure ausgeschalten und letztendlich die Preise für Verbraucher erhöht werden. Für ein Mail-In-Service, bei dem der Bildschirm eines iPhone 6s ersetzt wird, verlangt Apple in Norwegen 185 Euro, bei den von Apple autorisierten Reparaturdiensten kostet es 255 Euro. Das ist also mehr als das Dreifache der Kosten von Huseby, der nur 75 Euro dafür verrechnet.

Was können Sie tun?

Die europäische Kampagne "Recht auf Reparatur" hat bei Spendenaktionen geholfen und fordert nun Maßnahmen, um zu verhindern, dass andere Reparaturbetriebe ein Schicksal wie Huseby erleiden müssen. Im Rahmen des Aktionsplans für Kreislaufwirtschaft soll die EU sowohl Reparaturfachleuten als auch Verbraucher*innen einen Zugang zu erschwinglichen Originalersatzteilen für Elektronikgeräte gewährleisten.

Sie können die Petition unterzeichnen und finanziell unterstützen:

Weitere Informationen

Artikel zum Fall von Henrik Huseby “Apple crushes one-man repair shop in Norway’s Supreme Court, after three-year battle”

Artikel zur Situation von iPhone-Reparaturen in den USA: „Apples Vertragsbedingungen angeblich übergriffig und erdrückend“

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