Das Re:pair-Festival 2026 –Interview mit Festivalleiterin Tina Zickler
Heuer feiert das re:pair FESTIVAL seinen 5. Geburtstag im MuseumsQuartier. Von 2. bis 18. Oktober 2026 bietet das Non-Profit-Festival wieder ein abwechslungsreiches, partizipatives Programm mit über 90 Veranstaltungen und Expert:innen aus dem In- und Ausland. Das Reparaturnetzwerk hat mit der Festivalleiterin Tina Zickler über ihre Motivation, Hintergründe und diesjährigen Highlights gesprochen.
Kollektiv Fischka
Reparaturnetzwerk: Dein re:pair FESTIVAL feiert heuer sein 5-Jähriges Jubiläum. Warum ist dir das Thema Reparieren so wichtig?
Tina Zickler: Ich habe das re:pair FESTIVAL initiiert, um einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. Ich möchte Menschen dazu inspirieren, ihren Konsum zu überdenken, achtsam mit unseren Ressourcen umzugehen und möglichst alles zu reparieren, was kaputt ist. Ich bin glücklich, dass in den vergangenen Jahren so viele Menschen begeistert das Festival besuchten – heuer machen wir die 20.000 sicher voll.
Reparaturnetzwerk: Viele Menschen denken, Reparieren sei teuer oder kompliziert. Was sagst du diesen Menschen?
Tina Zickler: Es gibt inzwischen viele Repair Cafés, bei denen elektronische Geräte meist umsonst bzw. gegen Spende repariert werden. Zudem gibt es auch im textilen Bereich immer mehr Veranstaltungen, bei denen gemeinsam Kleidung geflickt wird. Das macht Spaß, ist kreativ und man/frau lernt neue Leute kennen.
Kollektiv Fischka
Reparaturnetzwerk: Für jemanden, der noch nie vom re:pair Festival gehört hat: Was erwartet Besucher*innen? – Gibt es Angebote sowohl für „Reparatur-Neulinge“ als auch für eingefleischte-Reparateur*innen?
Tina Zickler: Zum 5. Geburtstag habe ich mir ein besonders vielfältiges Programm ausgedacht. Vom 2. bis 18. Oktober bieten wir den Besucher*innen viele Kreativ-Workshops mit Expert*innen aus dem In- und Ausland an. Beispielsweise gibt es heuer eine Taschenklinik mit Modedesignerin Annette Weisser, die aus Brüssel anreist. Unter dem Motto „Pimp your tired bag“ werden geliebte alte Taschen und Portemonaies verarztet, d.h. repariert und zugleich verschönert. Richtig cool ist auch das neue Format: „Slow mending – Speed dating“. Unter Anleitung von Anne Schlüter (CH) und Aleksandra Zdravković (D) kann man Bekleidung kreativ flicken und neue Mending-Freund*innen kennen lernen. Ein besonderes Hightlight wird der sogenannte „JOUR FIXE“, der am Sonntag, den 11. Oktober in der Ovalhalle stattfindet. Das Repair Team wird mit 18 Reparateuren Elektrogeräte aller Art wieder in Gang setzen. Zeitgleich repariert Tischlermeister Werner Nussbaumer kaputte Sessel und Geigenbaumeister Usa von Stietencron bringt Streichinstrumente wieder zum Klingen. Auch die Besitzer*innen von Quer- und Piccoloflöten sind eingeladen vorbeizukommen. Bertha Semeleder bietet einen kostenlosen Check-up und repariert an diesen Instrumenten Kleinigkeiten direkt vor Ort. Und am Abend laden wir dann noch zur großen Kleidertausch-Party ein. Das wird ein Fest!
Reparaturnetzwerk: Gibt es eine besonders schöne oder überraschende Geschichte aus den vergangenen Festivaljahren?
Tina Zickler: Was mich im letzten Jahr sehr berührt hat, war das Vertrauen verschiedener Repair-Aktivist*innen in ganz Europa. Für die Ausstellung „Masterpieces of REPAIR & UPCYCLING“ schickten sie mir leihweise wertvolle reparierte und upgecycelte Kleidungsstück zu, obwohl sie mich nicht persönlich kannten. Niemand verlangte Leihgebühren oder bestand auf komplizierte Verträge.
Reparaturnetzwerk: Wenn Du den Leser*innen des Interviews eine einzige Gewohnheit empfehlen könntest, um nachhaltiger zu leben: Welche wäre das und warum?
Tina Zickler: Ich schließe mich gerne Vivienne Westwood an. Sie pflegte zu sagen: BUY LESS, CHOOSE WELL, MAKE IT LAST
Reparaturnetzwerk: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für das diesjährige Festival!