Jugend-Reparatur-Kultur: ein ausgezeichnetes Projekt
Das zweijährige Projekt "Jugend-Reparatur-Kultur", eine Kooperation zwischen dem Reparaturnetzwerk / DIE UMWELTBERATUNG und dem Verein Wiener Jugendzentren wurde Ende 2025 abgeschlossen. Es kann schöne Bildungserfolge aufweisen und wurde mit dem zweiten Platz beim BNE-Preis ausgezeichnet.
Markus Piringer / DIE UMWELTBERATUNG
Projektinhalte
In dem Projekt wurden Reparatur-Formate zur Wartung und Reparatur von Fahrrädern, Handys, Computern und Controllern mit und von den Jugendlichen in einem jugendadäquaten Setting entwickelt und innerhalb von zwei Jahren in Summe 72-mal in sechs Jugendzentren in Wien umgesetzt. Die inhaltlichen Schwerpunkte lagen dabei auf Fahrräder und Elektronik (Computer, Laptops, Controller und Smartphones). In Kooperation mit dem Reparaturnetzwerks-Mitglied TechLine wurden außerdem 12 reparierbedürftige Laptops repariert und an die Jugendzentren gespendet.
Die positiven Auswirkungen des Projektes auf einen Blick
- niederschwelliger Zugang zu Reparatur-Know-how, auch für sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche
- Abfälle werden vermieden und Rohstoffe gespart, weil Reparaturen zum Teil Neuanschaffungen ersetzen
- Reparieren spart Geld
- klimafreundliche, kostengünstige Mobilität durch reparierte Fahrräder
- digitale Teilhabe durch funktionstüchtig gemachte Laptops
- Der Praxisbericht zu den Workshops steht auch anderen Jugendeinrichtungen zur Verfügung.
Forum Umweltbildung
BNE-Preis: 2. Platz!
Jedes Jahr zeichnet das Forum Umweltbildung hervorragende Projekte zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Österreich aus. Im Jahr 2025 mit 90 Einreichungen und 9 Finalist*innen in 3 Kategorien – und unser Projekt Jugend-Reparatur-Kultur wurde mit dem zweiten Platz in der Kategorie „Kooperieren“ ausgezeichnet!
Eine Projekt-Bilanz
Im Jahr 2024 wurden Reparatur-Formate entwickelt und getestet. Dabei waren 2 Jugendzentren beteiligt, nämlich das Jugendzentrum Hirschstetten und das Jugendzentrum Seestadt (SEA). Im Jahr 2025 wurde das Projekt auf in Summe 6 Jugendzentren ausgeweitet, neben den beiden Einrichtungen aus dem Vorjahr nahmen zusätzlich das Jugendzentrum Meidling und das Jugendzentrum Erlaa im Südwesten Wiens sowie das Simmeringer Jugendzentrum (SI:JU) und der Siedlungstreff Leberberg aus dem Südosten der Stadt an dem Projekt teil. Es wurden 72 Reparatur-Workshops mit Jugendlichen durchgeführt. Im Zuge dessen wurden auch kaputte Laptops repariert, die von der Firma TechLine gespendet wurden und nun für Jugendliche zur Nutzung zur Verfügung stehen.
Markus Piringer / DIE UMWELTBERATUNG
Effekte aus Durchführung der 24 Elektronik-Workshops:
- Rund 300 Jugendliche haben sich an den Workshops aktiv beteiligt, weitere rund 500 Jugendliche waren zeitweise dabei und haben zugeschaut, über 8.300 Jugendliche wurden durch die Bewerbung (Social Media Kanäle etc.) auf die Elektronik-Reparatur aufmerksam gemacht (davon 4.665 Reparatur-Tutorial-Aufrufe).
- Es wurden in Summe rund 240 elektronische Geräte (Smartphones, Laptops, PCs, Controller) gewartet, gereinigt bzw. gewartet und repariert.
Effekte aus der Durchführung der 48 Fahrrad-Workshops:
- In Summe haben sich knapp 400 Jugendliche aktiv an Reparatur-Arbeiten beteiligt, über 700 Jugendliche waren zusätzlich zeitweise dabei und haben zugeschaut, über 6.000 Jugendliche wurden durch die Bewerbung (Social Media Kanäle etc.) auf Fahrrad-Reparatur aufmerksam gemacht.
- In Summe wurden rund 260 Fahrräder gewartet bzw. repariert
Die Wirkung des Projektes geht über jene quantitativ messbaren Effekte, die in den Workshops selbst erzielt wurden, hinaus. Dies zeigte sich einerseits darin, dass Jugendliche zu späteren Zeitpunkten nach den Workshops in die Jugendzentren kamen, um sich Werkzeug für eigene Reparaturen auszuborgen. Auch Elternkamen mit Reparatur-Fällen ins Jugendzentrum. Andererseits ist zu bedenken, dass die Jugendzentren – angestoßen durch die Erfahrungen im Rahmen des Projektes – in den kommenden Jahren die Reparatur-Aktivitäten weiterführen und zum Teil ausbauen werden.
Markus Piringer / DIE UMWELTBERATUNG
Schlussfolgerungen
Im Rahmen des Projektes konnte gezeigt werden, dass das Thema Reparatur in Form von Praxis-Workshops sehr gut in die Aufgaben und Tätigkeit der Jugendarbeit eingebunden werden kann. Die entwickelten Formate haben sich als geeignet herausgestellt, um Reparatur-Kenntnissen an Jugendliche zu vermitteln und auch darüber hinaus in die Familien auszustrahlen.
Fahrrad-Reparaturen eignen sich sehr gut für die Zielgruppe der 8-12-Jährigen, da diese selbst mit Fahrrädern unterwegs sind. Für ältere Jugendliche sind Fahrräder weniger interessant. Zusätzlich sind die notwendigen Skills für einfache Wartungs- und Reparaturarbeiten sowohl von den Jugendarbeiter*innen als auch von den Jugendlichen relativ leicht erlernbar.
Die Elektro(nik)-Workshops sind für ältere Zielgruppen interessant (ca. 10-16 Jahre). Die entwickelten Handy-Workshops haben sich bei Jugendarbeiter*innen und Jugendlichen sehr bewährt. Die Tatsache, dass jede*r Jugendliche ein Handy besitzt, ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg. Das Format wurde bewusst als niederschwellig konzipiert, es fokussiert auf die Reinigung und den Schutz (Aufbringen einer Display-Schutzfolie) von Mobiltelefonen und wurde mit einem Handy-Wartungs-Quizz kombiniert. Auch diese Tätigkeiten sind von Jugendarbeiter*innen als auch von den Jugendlichen leicht erlernbar.
Die anderen beiden Elektro(nik)-Formate (Reparatur von Controllern und PC-Upgrade) sollten von Jugendarbeiter*innen durchgeführt werden, die eine gewisse Technik-Affinität aufweisen. Eine Empfehlung für Jugendeinrichtungen, die Controller- und PC-Workshops abhalten wollen wäre daher: Es sollte vorab gezielt abgefragt werden, welche Mitarbeiter*innen einerseits schon Kenntnisse, eventuell auch Ausbildungen in diese Richtung haben um diese im Projekt gezielt nutzen zu können. Überall dort, wo nicht nur Interesse sondern auch zumindest teilweise bereits Kompetenzen vorhanden waren, konnten die Reparatur-Formate leichter umgesetzt und etabliert werden.
Ausblick
Aufgrund der positiven Erfahrungen wird der Verein Wiener Jugendzentren aufbauend auf den im Projekt erarbeiteten Grundlagen auch nach Projektende weiterhin Reparatur-Formate in der Jugendarbeit einsetzen.
Die Projektergebnisse sind auch für andere Jugendeinrichtungen von Interesse. Zu diesem Zweck wurden die Projekterfahrungen schriftlich und in Anleitungs-Videos dokumentiert. Die Informationen können hier heruntergeladen werden.
Das Projekt Jugend-Reparatur-Kultur wird finanziert durch die Abfallvermeidungs-Förderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen.